Amnesty und die Rechte der …. ?

Janus-Vatican

…………..Frauen?.…………………………………………….Sexindustrie?

………Ausgebeuteten?.…………………………………. Ausbeutung?

Am Donnerstag, 30. Januar 2014, findet eine Anhörung in Belfast, Nordirland statt.

Thema: Legaler Umgang mit Prostitution. Nordisches/Schwedisches Modell vs völliger Entkriminalisierung „aller Aspekte der „Sexarbeit““ – vermutlich einiges dazwischen.

Amnesty International beziehungsweise die für Nordirland zuständige Gruppierung Amnesty UK werden mit angehört und haben sich offenbar eindeutig positioniert.

Der internationalen Blogosphäre liegt ein Dokument vor, das von der deutschen Prostitutionslobby stammen könnte. Oder von denen, von denen die dann abschreibt. Es ist von kursorischem Interesse, da so ziemlich alle Mythen (bis auf „das älteste Gewerbe der Welt“) darin aufgezählt werden.

Da dieses Dokument jetzt doch heftig kritisiert wird, versucht Amnesty den Schaden zu begrenzen. Auf Deutsch, auf Englisch gibt es bei Twitter diese Antwort:

Amnesty 5Amnesty 7

Das wäre etwas glaubwürdiger, wenn der Text – und es wird noch gestritten, ob es ein „policy paper“ ist oder nur eine „consultation“ – nicht ganz so unsäglich wäre, und wenn es nicht ein offiziell bereits eingereichtes Papier zu der Versammlung in Nordirland gäbe, das die gleichen Argumente erheblich vorsichtiger vorträgt.

Einige der abgedroschenen „Argumente“, aber die kennen wir alle ohnehin:

„Sexarbeit“ wird – was ihre möglicherweise problematischen Seiten angeht – gleichgesetzt mit anderen Bereichen, in denen Ausbeutung üblich ist: Hausarbeit, Minen, Baustellen, Landwirtschaft … Und da es bisher so unheimlich gut geglückt ist, in diesen legalen Bereichen Ausbeutung und Übergriffe zu verhindern (zugegeben, das steht nicht in dem Dokument), müssen die dort üblichen Verhältnisse jetzt auf die Prostitution ausgedehnt werden. Auch das steht da nicht, aber die „Logik“ der Prostitutionslobby ist ohnehin nur über neoliberale Vermarktungsstrategien nachvollziehbar.

Weiter in der Argumentation:

Es ist anderen Opfern von Menschenhandel gegenüber ungerecht, dass der Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung so thematisiert wird. Deren Position ändert sich mit der totalen Legalisierung von Prostitution wohl auch schlagartig. Das ist übrigens möglich: Der Fachbegriff ist „race to the bottom“. Was für „Sexarbeiter“ „recht“ ist, muss dann wohl für die anderen „billig“ sein.

Prostitution und Menschenhandel zu vermischen, macht „Sexarbeiter“ erst zur „Zielscheibe von Ausbeutung und Missbrauch“ (Zitat) und „ermöglicht vielleicht erst die Verletzung ihrer Menschenrechte“ (Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch scheint nicht dazu zu gehören). Das kennen wir. Würden diese Verbrechen gar nicht erst angesprochen, fänden sie auch nicht statt, denn dann gäbe es ja keine Texte und Statistiken, also gäbe es diese Verbrechen dann nicht. Oder nur in einem anderen Kontext. Oder so.

Dann haben wir noch das übliche (und an sich notwendige) Skandalisieren globaler Armut und Ungerechtigkeit – Prostitution scheint ein Ausweg daraus zu sein. Sie macht die Individuen darin stärker. Das sollte vor allem den TextilarbeiterInnen in Bangladesch, Kambodscha, Pakistan … mitgeteilt werden. Die empfinden das bestimmt als Beitrag zur Stärkung ihrer Rechte.

„Sexworker“ ist ein geschlechtsneutraler Begriff, da Menschen in der Prostitution ja jedes Geschlecht haben können. Und hey-presto – das Thema Ungleichheit der Geschlechter oder möglicher Ausbeutung von Frauen bei über 90% Frauen in der (Erwachsenen-)Prostitution und bei weit über 90% Männern als Käufern hat sich offenbar erledigt.  Denn diejenigen, die das ansprechen, sehen gar nicht, dass es noch andere Formen von Sexualität gibt, in denen „der Mann nicht der angenommenermaßen mächtigere Akteur ist“. Nun ja, Kritik an Prostitution weist gelegentlich darauf hin, dass Pornos und Prostitution ziemlich gewaltigen Anteil daran haben, genau diese Vorstellungen zu erschaffen und zu stabilisieren, da sie anders auch nicht klappt. (Geheimer Hinweis aus geheimer konspirativer Forschung: Männer kommen nicht als Freier auf die Welt. Wirklich nicht!)

Zuhälter gibt es im Text übrigens nicht – sie sind „body guards“ und „receptionists“ und „landlords“ (Vermieter). Und da, wo es verboten ist, „von den Einkommen einer Prostituierten zu leben“ (also eine Regelung, die „vielleicht“ eingeführt wurde, um sie vor Ausbeutung zu schützen…!) betrifft das ja dann auch Mitbewohner, Familie, sogar Kinder. (Dazu gibt es sogar eine Fußnote zu Kalkutta. Zu Indien – garantiert nicht gefragt wurden die Organisationen, die Kinder oder Frauen aus der Prostitution aufnehmen, was sonst keiner tut – wenn die es wagen, Prostitution nicht für „empowering“ zu halten. )

Statt dessen wird alles viel besser, wenn alle Aspekte der Sexarbeit legalisiert werden. Also nicht nur die dringend nötige Entkriminalisierung der Menschen, die tatsächlich ihre eigenen Körper zum sexuellen Gebrauch zur Verfügung stellen oder stellen müssen, sondern auch die Entkriminalisierung derer, die das vorsichtshalber lieber mit den Körpern anderer tun.

Achso – bei Kindern (allen unter 18 Jahren) ist das alles ganz anders, da handelt es sich um Verbrechen und Ausbeutung, die Gefahren, dass es im Verborgenen geschieht, scheinen hier nicht zu interessieren, und dass Teenager unter Umständen unter Armut leiden, in anderen Arbeitsverhältnissen ausgebeutet werden oder evtl. tatsächlich eine gewisse Autonomie haben und ihre Meinung sagen können oder ggf. freiwillig Sex haben …. hier findet Amnesty dann doch klare Sprache. Wie lange noch?

Das Papier scheint etwas veraltet, da hierzulande sogar in der Verherrlichung und Verharmlosung der Prostitution inzwischen oft etwas moderatere „kritischere“ Töne angeschlagen werden. Zumindest zwei Zeilen lang oder so.

Zur Wiederholung: Schwedisches Modell (Nordic Model):

  • Entkriminalisierung der Frauen (Männer, Trans*) in der Prostitution
  • Unterstützung auch unabhängig von Ausstiegswunsch (Gesundheitsberatung, Schuldenberatung, Therapiemöglichkeiten bei Traumata)
  • Polizeischulungen zum Umgang mit Freiern und Menschen in der Prostitution
  • Bestrafung von Zuhälterei, Bordellbetrieb, Sexkauf
  • Sexualaufklärung, die Gegenseitigkeit, Respekt und Freiwilligkeit thematisiert
  • Hilfsangebote für erwischte Freier (freiwillig, autonom, und nur, wenn sie es für „empowering“ halten).
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