Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit ….

…. von Frauen in Deutschland. Teilpopulation Prostituierte.

Bei den zahlreichen Evaluationen und Positionsbestimmungen der Bundesregierung zum Prostitutionsgesetz fehlen offenbar die Gesichtspunkte „Gewalterfahrung“ „psychische und körperliche Gesundheit“ völlig. Ich habe sicher nicht jede Publikation durchgesehen (es sind mindestens sieben, zwei davon gibt es in englischer Übersetzung, s. Punkt „Medien“ auf diesem Blog), aber die von mir gesehenen befassen sich nicht damit, noch nicht einmal mit dem Thema „Geschlechtskrankheiten“, das ja sonst die Mehrheitsgesellschaft doch eher interessiert. (no further comment.)

Nur am Rande: Geschlechtskrankheiten (sexually transmitted diseases, STDs) und Aids gelten offiziell als „Berufskrankheiten“ von Frauen in der Prostitution (1) – dies klingt unglaublich zynisch (vermutlich, weil es das ist….), ermöglicht aber anderen Schutz/andere Zuwendungen durch Krankenkassen oder soll das ermöglichen. Vermutlich macht es sie teurer.
Trotz dieser Definition gibt es in den Evaluationen zum Thema seitens der Bundesregierung (den Bundesregierungen 2002-2013) keine Auskunft zur Verbreitung solcher Krankheiten, der Situation der Frauen, es wurden offenbar auch keine Daten erhoben, um Veränderungen festzustellen.

Naja. Das Thema „Genehmigung“ vs. „Konzessionierung“ bei der „Regulierung von Prostitutionsstätten“ ist ja auch für die „echten“ „Stakeholders“ viel interessanter. „Stakeholder“ sind Leute, die an einem bestimmten Thema ein ureigenes Interesse haben. Das kann gut oder schlecht sein, auch eine Aussteigerin, die durch das System Prostitution verletzt und traumatisiert wurde, gehört dazu. In der Praxis gibt es aber Stakeholder, deren Ansprüche über Geld und Investitionen laufen, und einen Rest. Diese Hierarchsierung der Stakeholder findet sich in den Evaluationen.

Soweit der Wutausbruch.

Allerdings wurde 2004 eine umfassende Studie zur „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ vorgelegt, Leitung Prof. Dr. Monika Schröttle. Erstellt wurde die Studie am Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld (IFF). Die Studie ist heute noch die Grundlage für Zahlen zu Gewalt gegen Frauen, da sie unter anderem zeigte, dass jede siebte Frau in Deutschland (ab 16 Jahren) mindestens einmal in ihrem Leben sexueller Gewalt ausgesetzt ist.

In dieser Studie wurde auch die „Teilpopulation Prostituierte“ berücksichtigt. (Im Inhaltsverzeichnis auf den entsprechenden Link klicken, es sind die Seiten 465-557.)

Diese Studie ist heftig, und der Aspekt der Gewalterfahrung von Frauen in der Prostitution kriegt einen eigenen Beitrag.

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(1) Dies lässt sich leicht unter „Aids“ „Prostitution“ „Berufskrankheit“ ergooglen (mit sehr genauen Erläuterungen, Rechtsfolgen…), ganz knapp findet sich dies in einem Aufklärungsflyer der Stadt Hamburg, herausgegeben kurz nach der Einführung des ProstG. („Behörde für Umwelt und Gesundheit“ und das „Senatsamt für die Gleichstellung“ der Freien Hansestadt Hamburg. Die Rechte der Prostituierten nach dem neuen Prostitutionsgesetz. Nov. 2003., S.9)
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