Gewalterfahrungen der Frauen in der Prostitution

Teilergebnisse der Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland„, vorgelegt im Auftrag der Bundesregierung 2004 vom Interdisziplinärem Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld (IFF).
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Studien lassen Frauen und Schicksale hinter den Zahlen verschwinden. Die Unmittelbarkeit der Gewalt wird verdeckt durch die Mittlung von Zahlen, Erhebungsmethoden, Berechnungsgrundlagen und durch die Fachsprache gründlicher statistischer Arbeit.

Umso mehr bei Versuchen, einzeln aus diesen Studien zu zitieren, sie zu zerhacken, zusammenzufassen – und dahinter stehen Lebensumstände und Gewalterfahrungen, in die viele keinen Einblick haben und die einfach nur die Hölle sind.

Ich kann mich für meine rudimentäre Zusammenfassung nur entschuldigen und eine Triggerwarnung aussprechen für alle diejenigen, die die Hölle von innen gesehen haben.

Denn trotzdem sind diese Studien wichtig zur Diskussion, zur Vorbereitung für Gesetzesvorlagen … und immer dann, wenn es heißt, ProstitutionsgegnerInnen würden mit den Frauen in der Prostitution nicht reden:

Hier wurde mit ihnen geredet und dies ist ein erstes Ergebnis der Studie (S.26ff):

  • 92% aller befragten Prostituierten haben mindestens eine der genannten Formen sexueller Belästigung erlebt;
  • 82% der Befragten nannten Formen von psychischer Gewalt;
  • 87% haben seit dem 16. Lebensjahr mindestens eine der genannten Formen körperlicher Gewalt erlebt;
  • 59% der Befragten haben seit dem 16. Lebensjahr mindestens eine der aufgeführten Formen sexueller Gewalt erlebt.

(„genannte Formen der Gewalt“: körperliche, sexuelle und psychische Gewalt sowie sexuelle Belästigung.)

„Damit hatten die befragten Frauen dieser Teilpopulation für alle Formen von Gewalt seit dem 16. Lebensjahr deutlich höhere Werte als die Befragten der Hauptuntersuchung und vergleichbar hohe Werte wie die Frauen der Teilpopulation „Frauen in Haft“.
Die Gewaltprävalenzen der beiden Teilpopulationen Prostituierte und Inhaftierte sind bei psychischer und physischer Gewalt etwa zwei- bis dreimal und bei sexueller Gewalt fast 5-mal so hoch wie im Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung in Deutschland.“

Bitte – lest die Studie. Trotz der wissenschaftlichen Sprache ergibt sich ein Bild über die Realität in der Prostitution, das uns zeigt, wie wichtig echte Alternativen und richtige Ausstiegsmöglichkeiten sind.

Und wie wichtig Prävention ist. Samt Aufklärung zu Gewalt und zu sexueller Gewalt.

Das wird ein weiter Weg.

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Weitere Auszüge:

In der Studie wurden auch Bereiche abgefragt, auf die Außenstehende wohl gar nicht kommen – Raubüberfälle, Einbrüche, gegen den eigenen Willen eingesperrt, gefesselt oder sonstwie in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden zu sein. (S.57) Fazit:

  • Einbrüche:  von 16% der Frauen erlebt (alle Frauen: 7%), etwa ein Drittel erlebten dies mehrmals.
  • Raubüberfälle: 40% (alle Frauen: 8%), 38% der Frauen in der Prostitution erlebten den Raubüberfall im Kontext ihrer Prostitution
  • An Bewegungsfreiheit gehindert:  35% (alle Frauen: 1%), Täter_innen: 77% bekannte Personen, 20% unbekannte, 3% sowohl als auch. Zu 39% erlebten die Frauen dies im Kontext ihrer Arbeit.

Problemfelder aus Sicht der Hilfseinrichtungen:

  • die Überschuldung der Frauen
  • die Isolation der Frauen
  • die Obdachlosigkeit und das Fehlen eigener Privaträume sowie
  • die Gesundheit.

Weitere massive Probleme bringen:

  • Stigmatisierung,
  • „problematische Familienbeziehungen“ – also Gewalt in der Familie,
  • Partner, die von der Prostitutionsausübung profitieren und „nicht selten – sei es durch Liebesentzug, psychische oder körperliche Gewalt – auf die Frauen erheblichen Druck aus[üben], um von ihnen mehr Arbeitsleistung und Profit zu erzwingen,
  • Missbrauchserfahrung in der Kindheit mit wiedererlebter sexueller Gewalt als Muster,
  • Wahrnehmung des Zuhälters als „liebevolle Schutzperson“, „Liebespartner“ –s.o.
  • mangelnde soziale Kontakte, Stigmatisierung, geringes Selbstwertgefühl
  • Verelendung in der Beschaffungsprostitution mit Verwahrlosung, Krankheiten und körperlicher Verfall.

Und dann kommen die Einzelaufzählungen, die Gewalterfahrungen einzeln aufgelistet.

…. und inzwischen wird alles schöngeredet, damit der Rubel rollt, damit der Glaube an die „gerechte Welt“ nicht erschüttert wird. Aus welchen Gründen auch immer.

Das muss auch beendet werden, zusammen mit der Einführung des schwedischen Modells.

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