Eine Frage der Würde … und der Sicherheit

Die Frauen in der Prostitution sind in Schweden sicherer – und es gibt weitere Neuerungen:

Auszüge aus einem hervorragenden Artikel des Schweizer Magazins „Das Magazin„.

Der Beitrag gibt einen umfassenden Überblick über das schwedische Gesetz, seine Hintergründe und seine Auswirkungen. Er geht auch ausführlich auf das Thema Sicherheit ein – wurde es für Frauen nicht gefährlicher, seit Freier bestraft werden?

Nein. Aus vielen Gründen. Vor allem deswegen nicht, weil der Freier an sich schon rechtlich im Unrecht ist. Das macht eine Anzeige wegen Gewalt erheblich einfacher als in Deutschland, wo der Freier ja an sich im Recht ist. Wo ja Sex ausgehandelt wurde. Wo also ein „plötzliches“ Nein dann nicht gilt. (Solche Fälle gab es, Beispiel aus Augsburg.) Wo angeblich Frauen das Geld einklagen können – nur dass dies bei Vorkasse irrelevant ist und bisher einmal? gar nicht? vorkam.

Information aus dem Artikel: In Schweden  können Frauen in der Prostitution Freier auf Schadensersatz verklagen. Für die ihnen zugefügte Gewalt. Zugegeben – auch dies dürfte noch nicht passiert sein. Aber auch dies ist ein Signal.

Auszüge zum Thema Sicherheit – aber bitte den ganzen Artikel lesen!

Was man in Stockholm von verschiedenen Seiten hört: Prostitution ist gefährlich, und das bleibt sie auch mit einem Verbot. Die Frauen sind aber nicht gefährdeter als vorher. Sie wenden sich jetzt schneller an die Polizei, Repressionen befürchten müssen sie ja nicht. Damit ist ein Ziel erreicht, nämlich die Entkriminalisierung jener, die Sex verkaufen. Die Polizei hat ihr helfendes Image verbessert. Auf der Malmskillnadsgatan wird noch immer auf die Bullen geschimpft. Doch jetzt melden sich Prostituierte bei ihnen, wenn sie vergewaltigt wurden.

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Das Gesetz sei bei ihrer Arbeit mit Prostituierten kein Thema, sagt Miki Nagato, Sozialarbeiterin bei der Prostitution Unit im von Wasser umgebenen Bezirk Södermalm. Die 28-Jährige trägt Sneakers mit Merkurflügeln; zugegen ist auch die Hebamme Antoinette Kinnander, eine feenhafte Erscheinung. Prostituierte werden hier nicht nur beraten, sie erhalten auch medizinische Hilfe, im Zimmer nebenan steht ein gynäkologischer Stuhl. Miki und Antoinette befürworten die Kriminalisierung der Freier voll und ganz. Nach 1999 sei die Zahl der Prostituierten gestiegen, die sich bei der Anlaufstelle meldeten, „denn nun wussten sie das Gesetz auf ihrer Seite”. Jetzt habe es sich bei sechzig Frauen pro Woche eingependelt. Miki geht an zwei Abenden raus, redet mit den Mädchen auf der Malmskillnadsgatan und der Mäster Samuelsgatan, „die natürlich nicht auf der Strasse sind, um mich zu treffen”, versucht deren Vertrauen zu gewinnen, missioniert aber nie für den Ausstieg. Doch nicht selten, manchmal erst nach Mo­naten, taucht eine Frau plötzlich bei der Prostitution Unit auf. Die Frauen kommen aus Ungarn, Rumänien, Polen, den baltischen Staaten. Es gibt mehr ausländische Prostituierte auch in Schweden, seit die osteuropäischen Staaten der EU beigetreten sind und die Visapflicht aufgehoben wurde.

[…]

Neu können die Prostituierten auch gegen ihre Kunden klagen und Schadenersatz verlangen, für „das Leid, zu dem die Freier beigetragen haben, und für die Verletzung der Gleichheit und Würde der Betroffenen”, erläutert der Politologe Max Waltman von der Universität Stockholm. So könnte die Prostituierte nicht nur Sozialleistungen beanspruchen, es falle ihr wo­möglich auch leichter, aus dem Sexgewerbe auszusteigen. Der 38-Jährige hat die schwedische Sicht jüngst in einer Gastkolumne in der „New York Times” vorgestellt: Man müsse die Möglichkeit, vor Gericht zu gehen, zur Pflicht erheben, denn selten klage eine ausgebeutete Person ihre Peiniger von sich aus an. „Das schwedische Gesetz ist gut, aber es könnte besser sein”, sagt er und beisst in der Unikantine in ein Riesensandwich. „Man betrachtet die Prostituierte noch zu wenig als Opfer eines Verbrechens. Immerhin ist es das einzige Gesetz der Welt, das die Prostitution reduziert hat.”

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